7. Januar 2026

Wenn sogar der Spitzenspieler bei der TSG Kaiserslautern den Besen schwingt

Quelle: Die Rheinpfalz vom 06.01.2026

Wo geht der Weg der TSG Kaiserslautern hin? Schafft das Drittliga-Team den Aufstieg? Warum gab es personelle Wechsel und wie geht es zum Rundenstart weiter?

Treffen sich ein Pfälzer, ein Saarländer, ein gebürtiger Chinese, ein Japaner, ein Schwabe und ein Iraner im Buchenloch. Was wie der Beginn eines Witzes klingt, bei dem am Ende einer leer ausgeht, ist ein stattdessen Ausschnitt aus einer Erfolgsgeschichte, die real ist. Bei der alle miteinander lachen, jubeln und und feiern und die zum ganz großen Märchen werden könnte. Es ist die Geschichte der Tischtennisherren der TSG Kaiserslautern, die mit dem Ziel in die Drittliga-Runde gestartet sind, ganz vorne mitzumischen und wenn’s irgendwie geht, den Aufstieg zu schaffen. Bis zur Winterbilanz läuft es gut bisher. Die Mannschaft überwintert nach acht Siegen und einer Niederlage als Tabellenführer, punktgleich mit Bietigheim-Bissingen und Effeltrich. Und noch ist alles drin, doch dafür muss auch alles passen.

Wosiks Anfahrt durch den Pfälzerwald

Die Chemie stimmt jedenfalls bei der Mannschaft, die im Gegensatz zu Teams, die gespickt sind mit Spielern aus unterschiedlichen Ländern, die nur zu den Heimspielen anreisen oder einfliegen und dann wieder weg sind, die Gemeinschaft pflegen und viel zusammen unternehmen. Dass die Spieler, die von weiter her kommen, dafür früher anreisen, ist selbstverständlich. Wie der ehemalige Profi Torben Wosik, der in Böblingen eine Tischtennis-Akademie betreibt, oder Xi Wang, der in Grünwettersbach wohnt und Nationalspieler Dang Qiu trainiert, die deutsche Nummer eins. Wosik kurvt beispielsweise an Spielwochenenden schon samstags durch den Pfälzerwald, um sich mit seiner Mannschaft auf den Gegner vorzubereiten. Bei der TSG helfen sich alle gegenseitig, geben sich Tipps, lernen voneinander, der Nachwuchsspieler vom Profi, der Erfahrene vom Jungen. Bei Spielen coachen sie sich gegenseitig und jeder hört seinem Mannschaftskameraden am Spielfeldrand gut zu, wenn der ihm Handtuch und Wasser reicht und ein paar Beobachtungen nennt, die er gemacht hat.

Vor und nach den Spielen wird gemeinsam gegessen. Und an den Spieltagen packt jeder mit an. „Wang schnappt sich den Besen und fegt erst einmal die ganze Halle“, erzählt Abteilungsleiter Helmut Schneider, der seine Freude hat an dem Team und daran, wie es zusammengewachsen ist. Natürlich wird gemeinsam aufgebaut, alle machen sich warm. Jeder hat seine eigenen Rituale, aber wenn sie an der Platte stehen, sind sie eine Einheit, die zusammen nur eins will: möglichst alle Spiele gewinnen.

Das klappt ganz gut bisher. Spitzenspieler Xi Wang ist ein Erfolgsgarant, hat keines seiner Spiele verloren. Und auch für seine Teamkameraden läuft es. Nur für Felix Köhler, das Eigengewächs der TSG, lief es einfach nicht. Er hat für sich entschieden, die Reset-Taste zu drücken und sich schweren Herzens zu einem Wechsel zum Oberliga-Klub TTC Odenheim durchgerungen. Und noch einer muss gehen. Weil sein Visum ausläuft: der Japaner Yuki Suganuma. Er hat sich sofort bei der TSG wohlgefühlt und geht schweren Herzens, wie Schneider erzählt. Suganuma hatte sich vor seinem Wechsel ins Buchenloch genauestens über seine Mitspieler und die Gegner erkundigt und sich akribisch vorbereitet. Und er war beliebt, wie der Abteilungsleiter sagt.

Ein Iraner in der Warteschleife

Doch über Wangs Kontakte wurde sofort ein neuer, motivierter Mitspieler gefunden: Haruki Miyamoto, der früher schon mal bei der TSG an der Platte stand. Einer hängt noch in der Warteschleife fest: Der Iraner Faraz Shakiba hat wegen der politischen Verhältnisse in seinem Heimatland noch immer kein Visum bekommen. Schneider hofft, dass sich das ändert, auch wenn er weiß, dass der talentierte Schüler nicht gleichzeitig mit dem Japaner spielen darf. „Es darf nur ein Nicht-EU-Ausländer antreten“, erklärt er. 

Dass die Restrunde trotz der bisherigen Erfolgswelle nicht einfach wird, weiß er. Konkurrent Bietigheim hat aufgerüstet und sich ebenfalls mit einem Japaner verstärkt, wie Schneider weiß. Der Abteilungsleiter sieht aber leichte Vorteile bei der TSG für die verbleibenden Spiele: „Sowohl Bietigheim als auch Effeltrich müssen noch bei uns spielen. Und wir können gegen sie in unserer bestmöglichen Aufstellung spielen.“

Effeltrich und Bietigheim müssen noch kommen

Dass die beiden Teams vorne mitmischen werden, war nur in Teilen zu erwarten. Schneider: „Effeltrich war für uns die größte Überraschung. Dass Bietigheim mit uns um den Aufstieg spielt, haben wir erwartet. Die haben eine super Saison gespielt.“ Doch auch die TSG hat geliefert. „Wir haben im Gegensatz zur Vergangenheit keine unnötigen Punkte verschenkt.“ Schneider weiß aber auch, dass es wie in der Vorrunde auf jedes Spiel ankommt. Damit dabei alles klappt, dass sich die im Schnitt 100 Zuschauer wohlfühlen und bestes Tischtennis im Buchenloch zu sehen bekommen, dafür schwingt Xi Wang gerne weiter den Besen.

Statistik Tabelle 3. Bundesliga Süd

1. TSG Kaiserslautern 8 Siege/0 Unentschieden/1 Niederlage, 52:21 Spiele, 16:2 Punkte

2. Bietigheim-Bissingen 8/0/1, 51:20, 16:2

3. DJK SpVgg Effeltrich 8/0/1, 50:29, 16:2

4. ASC Grünwettersbach 6/0/3, 44:30, 12:6

5. Hohenstein-Ernsttal II 4/0/5, 40:43, 8:10

6. SB Versbach 3/0/6, 32:40, 6:12

7. TTC Kist 3/0/6, 29:41, 6:12

8. TV Limbach 2/1/6, 3:47, 5:13

9. DJK Eggolsheim 2/0/7, 20:50, 4:14

10. Mühlhausen II 0/1/8, 24:53, 1:17

Spiele

Bietigheim-Bissingen - TSG 3:6, TSG - Hohenstein Ernstthal II 6:4, TSG - Versbach 6:2, Grünwettersbach II - TSG 1:6, Eggolsheim - TSG 1:6, Effeltrich - TSG 6:4, TSG - Kist 6:1, TSG - Limbach 6:2, TSG - Mühlhausen II 6:1, Einzel gesamt 40:15

Spieler

Einzel: Xi Wang 18:0 Punkte, Torben Wosik 8:5, Luis Kraus 9:2, Felix Köhler 2:8, Yuki Suganuma 3:0, gesamt: 40:15

Doppel: Wang/Wosik 7:1, Kraus/Köhler 2:4, Wang/Kraus 1:0, Suganuma/Köhler 1:0, Wosik/Suganuma 1:0, Suganuma/Kraus 0:1, Doppel gesamt 12:6

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