3. Oktober 2025

Promi an der Platte: Warum Torben Wosik für die TSG Kaiserslautern spielt

Quelle: Die Rheinpfalz vom 01.10.2025

Torben Wosik (51), einer der bekanntesten deutschen Tischtennisspieler, ist bei der TSG Kaiserslautern. Ist er gekommen, um zu bleiben? Ein Interview.

Herr Wosik, wie sind Sie denn nach Kaiserslautern gekommen?
Wir haben bei Hertha BSC Berlin von der Fußballabteilung recht spät gesagt bekommen, dass sie nicht länger in andere Sportarten Geld investieren und alles in den Fußball stecken werden. Das war glaube ich der 18. März. Ich habe acht Jahre dort gespielt und mir wurde gesagt von den Chefs, wir hatten 100 verschiedene Spieler, aber keiner ist so gut angekommen wie Du. Ich habe immer alles gegeben. Bin immer die 650 Kilometer hochgefahren freitags, habe samstags gespielt, nachts mit dem Auto wieder nach Hause. Das war schon anstrengend. Deswegen war ich dann auch doppelt enttäuscht. Die meisten Vereine waren zu dem Zeitpunkt voll. Ich wollte einen Verein, der ein Ziel hat, der sagt, wir wollen aufsteigen oder wie Berlin, man möchte die Klasse halten. Ich brauche diesen Druck. Dann waren da so ein paar Vereine, Bietigheim, Kaiserslautern, Windsbach. Es gab auch Zweitligavereine, die Interesse hatten, aber da war es schon sehr spät. Ich habe mich erkundigt und mit Bijan Kontakt bekommen (Kalhorifar, der Mannschaftsverantwortliche der TSG Kaiserslautern Anm. d. Redaktion). Wir hatten direkt eine gute Chemie. Ich habe gemerkt, er wollte. Ich wollte auch. Und von der Entfernung ist das im Vergleich zu Berlin deutlich näher. Mein Navi leitet mich immer durch den Pfälzerwald. Ich kenne jetzt jede Kurve. Aber dadurch habe ich es heute doch in 1:50 Stunden geschafft. Und jetzt bin ich in Kaiserslautern. Da lautet das große Ziel Aufstieg. Mit Demut und Respekt. Aber wir wollen unbedingt aufsteigen.

War klar, dass Punkt eins besetzt ist und dass es Punkt zwei wird?
Ich hätte auch an drei gespielt. Wenn jetzt noch ein Junger dagewesen wäre, der meine Punktzahl hat, hätte ich auch kein Problem gehabt, auf drei zu spielen. Das wäre viel einfacher gewesen. So habe ich immer den Einser.

Das sind alles ausländische, gute Spieler, die auch international spielen. Aber für mich war deswegen wichtig, im vorderen Paarkreuz zu spielen, weil sollten wir aufsteigen, dann bin ich drin, dann halte ich das Niveau. Wenn ich auf Drei spielen würde und würde merken, ich gewinne meine Spiele zu locker, dann würde ich das im Training wahrscheinlich merken. Da würde ich mir denken, morgen noch mal Training? Es reicht übermorgen. Und so weiß ich, ich muss und stelle mir das so vor, dass sollten wir aufsteigen, ich direkt wieder wie die letzten paar Jahre die Spiele in der Zweiten Liga spielen kann.

Also ist das Engagement bei der TSG langfristig angelegt …
Genau. Von meiner Seite auf jeden Fall. Wenn man meine Vita anschaut, sieht man, ich bin aus Vereinen nur weggegangen, wenn die sich anders entschieden haben. In Berlin war ich acht Jahre, sechs in Düsseldorf, fünf in Bad Honnef. In Düsseldorf hatte ich damals Angebote, zu D-Mark-Zeiten, wo ich im Jahr 30.000 bis 50.000 DM hätte mehr verdienen können. Aber ich war immer treu.

Wie lässt sich das vereinbaren mit der Arbeit in Ihrer Tischtennisschule in Böblingen und dem Engagement bei der TSG?
Ich gehe davon aus, besser als in Berlin. Statt 650 sind es jetzt 250 Kilometer. Die Heimspiele sind zwei Stunden entfernt. Ich komme samstags her, bin auch als Trainer da, will den Jugendlichen helfen, ihnen Technik, aber vor allem auch taktische Sachen beibringen. Von den Auswärtsspielen sind manche fast Heimspiele. Das erste in Bietigheim-Bissingen war 20 Minuten von mir entfernt, Grünwettersbach ist 35 Minuten weg. Das ist alles viel näher.

Wie sind Sie in Kaiserslautern aufgenommen worden?
Ich war vom ersten Tag an mittendrin. Wir haben direkt unsere Späße gemacht. Ich bin super aufgenommen worden. Es ist eine super Mannschaft, eine super Kameradschaft, das ganze Umfeld passt.

Wie nervös sind Sie vor den Spielen? Hilft da die Erfahrung?
Ich bin immer noch nervös. Wenn ich nicht nervös wäre, würde mich vieles nicht mehr jucken. Beim Spiel in Bietigheim waren 20 Kunden meiner Tischtennisschule, mit denen ich täglich Einzeltraining habe. Das hat mich sehr motiviert. Was ich aber überhaupt nicht mehr hören kann, sind so Sätze wie: Ich hätte nicht gedacht, dass Du das konditionell durchhältst. Ich bin körperlich fit, und egal, wie lange das Spiel geht, das juckt mich gar nicht. Da ist man so voll mit Adrenalin. Ich springe, tänzle. Und ich mache auch viel für meinen Körper. Ich gehe alle zwei Tage ins Gym, mache mein Krafttraining, Ausgleichstraining. Das habe ich mein Leben lang gemacht. Aber danach, wenn ich nach Hause fahre – so wie beim letzten Mal – da bin ich in die Tankstelle gelaufen, wollte mir eine Flasche Sekt holen, um zu feiern. Da merke ich das schon. Da bin ich gelaufen wie auf Eiern. Ich habe dann zu der Frau in der Tankstelle gesagt, ich habe gerade vier Stunden Tischtennis gespielt. Wenn Sie mich gesehen hätten...

Auf wie viele Stunden Training kommen Sie am Tag?
Ich trainiere meistens morgens um 8.30 Uhr, manchmal viermal die Woche, im Durchschnitt dreimal. Aber dann habe ich zig Stunden Einzeltraining mit Erwachsenen und Kindern. Da habe ich Tage, an denen ich zehn, elf Stunden am Tisch bin.

Heißt Sie können auch heute noch nicht genug kriegen vom Tischtennis?
Ja. Wie Timo Boll sagte: Tischtennis ist ein 100-Meter-Sprint, wo Du parallel noch Schach spielst. Was mir so Spaß macht, sind diese Kleinigkeiten. Wie ich Punkte gewinnen, klauen kann, auch wenn ein anderer vielleicht besser ist an diesem Tag. Das hält einen fit. Wenn ich die Senioren sehe, die bei uns spielen, die sind unglaublich fit, mental stark. 

Wie ist es, wenn man als Torben Wosik in eine Halle kommt und erkannt wird. Behandeln die Leute einen anders?
Da bin ich total normal. Ich fühle mich kein bisschen besser als irgendein anderer. Ich habe das auch in Düsseldorf gehabt, als ich da Erste Liga gespielt habe, mal Nudeln essen war in der Stadt. Da haben einen schon Leute angesprochen, auch wenn man normale Klamotten anhat. Aber ich fühle mich nicht so besonders. Ich bin einfach ein Mensch, ein ganz normaler Typ. Und wenn einer was will, zum Beispiel ein Autogramm, dann mache ich das.

Ist Tischtennisspieler weiterhin der Traumjob?
Ja. Ich würde gern noch aufsteigen und wieder Zweite Liga spielen so lange es geht. Und wenn ich mal nicht mehr gebraucht werde, könnte ich mir die Arbeit als Trainer vorstellen. Aber was ich mir nicht vorstellen kann, ist ein Job als Bundestrainer in Deutschland. Ich mag die tägliche Arbeit. Als Bundestrainer sehe ich die Spieler vielleicht ein-, zweimal im Monat. Aber Bundesligatrainer oder in der Zweiten Liga, was mit Leuten. Das mag ich.

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