Plötzlich brechen alle Dämme, die Anspannung, die sich über Jahre aufgebaut hat, löst sich. Die TSG Kaiserslautern steigt in die Zweite Bundesliga auf.
Was für ein Gänsehautfinale. Am vorletzten Spieltag trifft die TSG Kaiserslautern im Buchenloch auf den punktgleichen Tabellenzweiten TTC Bietigheim-Bissingen und alle wissen, dass es jetzt zählt. Genau in diesem Spiel wird sich entscheiden, ob jetzt das passieren, worauf alle hinfiebern. Seit fünf Jahren. Und in den letzten Jahren vergeblich, weil immer was nicht klappte oder ein Team knapp vor dem Ziel den Titel wegschnappte. Diesmal sollte das alles anders werden.
Die Anspannung ist deutlich spürbar. Unter den Spielern, bei den Verantwortlichen, aber auch bei den Zuschauern. So viele wie noch nie drängen in die Halle. Mehr als 400 werden es am Ende sein – genauso viele werden das Geschehen gleichzeitig im Livestream verfolgen. Sie wollen dabeisein, wenn „es“ passiert. Das Team hat sich konzentriert vorbereitet, hat sich schon am Freitag getroffen, um noch mal gemeinsam zu trainieren und am Sonntag optimal eingestellt in das Spiel der Spiele zu gehen.
29:0 Siege für Xi Wang
„Es ist ein besonderer Tag für die TSG“, verkündet Hallensprecher Helmut Pfisterer und erklärt, dass die Liga, in die die TSG seit Jahren will, im internationalen Vergleich als fünfthöchste Liga gelte, den asiatischen Raum mit eingenommen. Applaus brandet auf, als die Spieler vorgestellt werden. Der ehemalige Profi Torben Wosik wird lautstark gefeiert und Spitzenspieler Xi Wang, der mit einer makellosen Bilanz von 29:0 Siegen in den Spieltag geht. Als die Matches starten, ist es mucksmäuschenstill in der Halle. Bis auf die Bälle, die über die Platten schießen, die Kampfschreie, mit denen sich vor allem die Bietigheimer gegenseitig pushen. Die TSGler wirken konzentriert – und angespannt. Und es geht gleich mit einem Krimi los: Spitzenspieler Wang und Luis Kraus liegen gegen Connor Green und Ivan Hencl mit 11:6, 11:5 vorn, verlieren dann aber den zweiten und dritten Satz (8:11, 7:11), während auch Torben Wosik/Haruki Miyamoto nach 11:3 und 11:4 gegen Hsieh-Yi Yang/Matej Haspel vom stärksten Konkurrenten der Liga kämpfen und den Satz mit 10:12 abgeben müssen. Würde Wangs überragende Siegesserie reißen. „Ich hatte keine Angst, habe genug Erfahrung. Ich habe 17 Jahre Bundesliga gespielt, aber ich war konzentriert“, erklärt er hinterher. Und Torben Wosik gibt zu, dass er vor dem Spiel die Chance, aufzusteigen, bei 50:50 gesehen hat. „Ich hatte aber so viel Selbstvertrauen, dass ich wusste, wir beißen uns da durch“, blickt er auf die Phase zurück, in der es drauf ankam.
Beide Doppel reißen das Ruder rum. Wosik/Miyamoto holen Satz vier mit 11:4 und Wang und Kraus Satz fünf mit 11:5. „Das war wichtig“, erklärt der Mannschaftsverantwortliche Bijan Kalhorifar, der schlecht geschlafen hat und dem die Schweißperlen auf der Stirn stehen. Er muss noch eine zeitlang zittern. Wang kämpft gegen Yang, Wosik gegen Green. An beiden Platten steht es 1:1 nach Sätzen und 8:8. Wang geht mit 11:9 und Wosik mit 11:8 in die nächste Runde. Der Spitzenspieler gewinnt mit 3:2, die Nummer zwei mit 3:1. Miyamoto feiert einen souveränen Sieg gegen Haspel (11:4, 11:5, 11:7), dann verliert Luis Kraus 1:3 gegen Hencl. Jetzt muss Xi Wang gegen die Nummer eins des TTC ran. Und es bleibt spannend. 11:7, 11:7, 6:11. Dann holt der eingebürgerte Chinese aus Grünwettersbach, der seit 2024 für die TSG Kaiserslautern startet und eigentlich kaum Regung zeigt, den Satz mit 11:6, vollendet den 6:1-Sieg der TSG, die damit Meister ist und in die Zweite Liga aufsteigen wird. Wang springt Richtung Decke, die Halle tobt. „We are the champions“, dröhnt aus den Lautsprechern. Alle sind euphorisiert und erleichtert. „Wir kämpfen immer alle zusammen. Ich freue mich sehr, dass wir das zusammen geschafft haben“, jubelt Wang. Die Liga ist auch für ihn neu, aber er freut sich und ist gespannt. „Ich kenne nur die Bundesliga, in der Zweiten Liga ist auch für mich alles neu.“
Wosik kämpft mit Tränen
Torben Wosik fühlt, wie der Druck nachlässt. „Die Anspannung war brutal. Ich hatte sogar Tränen in den Augen“, gesteht er. Ob er bleibt, sei noch nicht ganz sicher. „Jetzt beginnen die Gespräche. Ich hoffe, dass wir uns einigen. Man sieht, dass es passt“, sagt er, bevor es zum Mannschaftsessen geht, bei dem er „mindestens zwei Rotwein“, trinken will.
Für Kalhorifar geht es jetzt an die konkreten Planungen für die neue Saison. Er hofft, dass die Stammspieler bleiben. Der Japaner Miyamoto muss wieder zurück. „Wir brauchen noch Verstärkung, brauchen zwei Neue.“ Die Gespräche laufen, auch wegen einer neuen Spielstätte, eventuell die Barbarossahalle, weil die Halle im Buchenloch jetzt schon aus allen Nähten geplatzt ist.


