Frankfurt/Main. In der 3. Bundesliga Süd der Herren wird mit harten Bandagen gefochten. Mit Kaiserslautern, Bietigheim-Bissingen und Effeltrich stehen gleich drei Mannschaften mit 16:2 punktgleich an der Spitze. Die Vereinsvertreter erwarten eine spannende Rückrunde.
Dass es eine spannende Runde werden würde? Klar. Das hatten die Mannschaftsführer und Vereinsfunktionäre bereits vor der Saison prognostiziert. Dass es so spannend sein würde? Das hätten wohl einige nicht gedacht – vor allem nicht das Team der DJK-SpVgg Effeltrich aus Oberfranken. „Alles unerwartet“, sagt Teammanager Jürgen Weninger dort. In Effeltrich ist man eigentlich den Abstiegskampf gewohnt, musste in den vergangenen Jahren oftmals den Blick nach unten richten. Nun erwischte der Verein eine beinahe makellose Vorrunde. Man gewann erst gegen Grünwettersbach, drei Spieltage später auch gegen die Favoriten aus Kaiserslautern. Als einzige Niederlage hatte das Team aus dem hauseigenen „Gamble Dome“ das 2:6 gegen den TTC immoXone Bietigheim-Bissingen hinzunehmen. Zwischenzeitlich bevölkerte man sogar die Spitze der Liga, bevor gen Ende der Hinserie die zwei Teams vorbeizogen. Die Stimmung in Effeltrich ist dennoch außerordentlich gut: „Es ist die beste Saison der Vereinsgeschichte“, erklärt Weninger. Das liegt auch an der Performance des Personals. Der Schweizer Elias Hardmeier steht bei einer Bilanz von 13:4, Akito Itagaki – Bruder von Weltmeisterin Koharu – weist eine starke 11:2-Bilanz auf und auch Joker Kenyu Hiratsuka konnte mit 7:3 überzeugen. In Effeltrich ist man überzeugt davon, dass die Punkte reichen werden, um nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben.
Rennen um den Aufstieg
Während es sich bei Effeltrich wohl um eine der Überraschungen der Hinserie handeln dürfte, stehen die Teams aus Kaiserslautern und Bietigheim-Bissingen erwartungsgemäß ganz oben. Beide hatten durchaus mit Aufstiegsambitionen kokettiert. „Wenn unsere Jungs so weit sind, wollen wir das machen“, sagt der Bietigheimer Matthias Grünenwald, der einen konkreten Aufstiegsplan aber vorerst offen lässt. Auch Bijan Kalhorifar, Manager der Pfälzer aus Kaiserslautern, sagt ganz offen: „Für den Fall, dass wir am Ende Meister werden, ist der Aufstieg für uns definitiv das Ziel.“ Die Liga steuert aus diesem Grund auf einen regelrechten Showdown hin, denn beide Teams treffen erst am vorletzten Spieltag im April aufeinander und dürften dann wohl die Meisterschaft unter sich ausmachen.
Im Hinspiel behielt Kaiserslautern mit 3:6 die Oberhand – sehr zum Unmut der Schwaben. „Connor Green hat gefühlt sehr unglücklich verloren“, meint Grünenwald und meint damit den knappen 2:3-Krimi gegen Wang Xi. Gegen Effeltrich habe man dann aber das wohl beste Spiel der Vorrunde machen können, dort mit 6:2 gewonnen. Die aktuellen Leistungen honoriert auch das heimische Publikum, die Zuschauerzahlen sind laut Grünenwald gut. Jetzt freut er sich auf eine interessante Rückrunde. „Es könnte spannend werden“, heißt es vom TTC.
In Kaiserslautern blickt Bijan Kalhorifar auf eine ausgeglichene Vorrunde zurück. „Wir haben es erst am letzten Spieltag geschafft, ganz knapp die Tabellenführung zu übernehmen. Das zeigt eigentlich schon, wie eng es insgesamt war“, sagt er. Die Meisterschaftsfrage ist seiner Ansicht nach völlig offen. Nun steht aber ein personeller Wandel an. Der langjährige Spieler Felix Köhler hat das Team verlassen, dafür schlägt nun der Japaner Haruki Miyamoto in der Pfalz auf.
Grünwettersbach: „An Leistung anknüpfen“
Mit etwas Abstand folgt das Team des ASC Grünwettersbach II. Die Bundesligareserve steht bei einer Bilanz von 12:6 Punkten, bilanziell bester Spieler war Tobias Hippler mit 14:3. Der Ex-Kölner tritt inzwischen auch im Oberhaus an. Auch Emanuel Garcia und Damian Floro haben positive Bilanzen erspielt. Grünwettersbachs sportlicher Leiter Ricardo Walther ist mit der gezeigten Leistung glücklich: „Mit sechs Siegen haben wir sehr gut gespielt und wahrscheinlich den Klassenerhalt mit einem Bein schon geschafft“, sagt er. Jetzt möchte man in der Rückrunde daran anknüpfen, die jungen Spieler sollen noch mehr Einsätze bekommen.
Während die etablierten Drittligateams in der Tabelle gut da stehen, befinden sich die Aufsteiger aus Limbach, Eggolsheim und Mühlhausen aktuell im unteren Drittel. „Diese Konstellation hatten wir auch so erwartet“, sagt der Limbacher Christian Schleppi. Mit der ersten Halbserie in der neuen Liga sind die Saarländer zufrieden. „Ich kann für uns ein sehr positives Fazit ziehen“, erklärt er. Man habe deutlich besser mitspielen können als im Vorfeld angenommen. „Wir waren immer wettbewerbsfähig und sind nie untergegangen“, so Schleppi. Einen großen Anteil an den fünf Punkten – die alle bei Heimspielen erzielt wurden – hatte Spitzenspieler Xavier Dixon mit einer Bilanz von 11:5, der auch im Doppel mit Ion Söllner und Michael Schwarz erfolgreich war.
21:19 im Kellerduell
Einen Platz tiefer steht die Mannschaft der DJK Eggolsheim. Dort hatte man zwei Siege gegen Limbach und Mühlhausen einfahren können. Ersterer war ein Krimi, der an Spannung kaum zu überbieten war. Das Spiel ging im letzten Spiel zwischen Natanel Abramov und Michael Schwarz 3:2 zugunsten des Eggolsheimers aus – und das im Entscheidungssatz mit sage und schreibe 21:19. „Das habe ich in 25 Jahren Tischtennis in Eggolsheim noch nicht erlebt“, sagt Abteilungsleiter Martin Distler. Seine Mannschaft fühle sich in der Liga gut angekommen. In der Rückrunde fällt Spitzenspieler Ramon Christian Villa Mena allerdings aus, man arbeitet dennoch weiter am Ziel Klassenerhalt. „Wir freuen uns auf eine sehr spannende Rückrunde“, so Distler.
Auf einen „sehr glücklichen Saisonverlauf“ blickt Chris Albrecht vom Tabellenschlusslicht Post SV Mühlhausen II zurück. Die ersten vier Partien gingen mit jeweils zweimal 3:6 und 4:5 verloren, man konnte nicht in Bestbesetzung spielen. Für einen Sieg hat es bisher noch nicht gereicht, aber: „Mit dem 5:5 am letzten Hinrunden-Wochenende gegen Limbach haben wir gezeigt, dass wir mithalten können“, sagt er. Personell bleibt für die Rückrunde alles gleich, man möchte aber möglichst immer in Stammbesetzung spielen und dadurch entscheidende Spiele gewinnen. Unter anderem soll Youngster Ivo Quett weiter gefördert werden.
„Brutal ausgeglichen“
Im Mittelfeld stehen hinter Grünwettersbach die Teams aus Hohenstein-Ernstthal II, Versbach und Kist. Letztere befinden sich nicht nur geografisch in direkter Nachbarschaft, sondern auch punktemäßig mit einer Bilanz von jeweils 6:12. Versbach konnte gegen Kist, Mühlhausen und Eggolsheim punkten, die meisten Spiele hat Jeromy Löffler mit einer Bilanz von 9:7 absolviert. Bei den Würzburger Nachbarn aus Kist hat Jochen Wilhelm gemischte Gefühle. „Man sieht, dass die Liga nach wie vor brutal ausgeglichen ist“, sagt er. Im Derby mit Versbach sieht er für die Rückrunde eines der Schlüsselspiele. Aktuell hat man in Kist einen Vorsprung von zwei Punkten auf die Abstiegsränge.
Bei den Sachsen aus Hohenstein-Ernstthal ist Manager Christian Hornbogen zufrieden. „Der Klassenerhalt hat Priorität“, erklärt er. Der Verein tritt mit einer jungen Mannschaft an, in den Spielen konnte man unter anderem auf Johann Koschmieder und Karl Zimmermann bauen. Dennoch sieht auch er, dass sich die konkurrierenden Mannschaften zur Rückrunde verstärkt hätten. Er freut sich auf eine spannende Rückrunde.
Die Rückserie startet am 11. Januar mit dem Würzburger Derby zwischen Kist und Versbach, Eggolsheim empfängt Mühlhausen.


