Er war der Hoffnungsträger der TSG Kaiserslautern, das große Talent. Doch plötzlich verlor er eine Partie nach der anderen und macht jetzt einen Schritt, der ihm wehtut.
„Das war’s.“ Felix Köhler hebt die Arme und winkt den Zuschauern zu, und es ist ihm anzumerken, dass ihm der Schritt schwerfällt. Gerade hat er sein letztes Spiel für die TSG Kaiserslautern gemacht. Den Verein, bei dem er seinen Traum leben konnte, bei dem er so glücklich war. Aber der Traum wurde fast schon zum Albtraum: Er hatte so viel für sein Lebensziel investiert, hätte sich vorstellen können, Tischtennis-Profi zu werden, war dafür vier Jahre auf dem Tischtennisinternat, mit 14 weit weg von den Eltern.
Er war schnell sehr erfolgreich, trug neben dem Trikot der TSG auch das der deutschen Jugend-Nationalmannschaft, sammelte Titel und Medaillen. Und dann das. Es lief einfach nicht mehr, er verlor eine Partie nach der anderen, konnte sein Potenzial nicht mehr abrufen und fiel immer tiefer in diesen Strudel aus Frustration und Misserfolgen. Sein Team hoffte auf ihn, baute auf ihn, doch er konnte die Ergebnisse nicht liefern. Er wusste, dass er etwas ändern musste. Und jetzt tat er das, was ihm am meisten wehtat: Er machte einen Cut, entschied sich für einen Wechsel zum TTC Odenheim, der in der Oberliga antritt.
Der letzte schwere Gang
Doch erst mal musste er am Sonntag durch seinen letzten Spieltag bei der TSG Kaiserslautern kommen. Zum letzten Mal streifte er das Trikot seines Vereins über, durfte an Punkt fünf gegen Olegs Kartuzovs vom Tabellenletzten Post SV Mühlhausen II ran. Mit dem Wissen, dass sein Team sich maximal einen Verlustpunkt erlauben durfte, weil es nur dann Herbstmeister werden würde. Yuki Suganuma/Torben Wosik (3:0 gegen Yi-En Yeh/Kartuzovs), Xi Wang/Luis Kraus (3:2 gegen Nico Müller/Ivo Quett), Wang (3:0 gegen Müller), Wosik (3:1 gegen Yeh) und Suganuma (3:0 gegen Quett) hatten vorgelegt, es stand 5:0, und die TSG brauchte noch einen Sieg in den Einzeln. Köhler holte den ersten Satz mit 11:7, verlor den zweiten mit 9:11, den dritten mit 8:11. Und es war, wie es so oft in letzter Zeit bei ihm war, wenn es eng wurde: Er schaffte es nicht, den Hebel umzulegen, ärgerte sich, statt an seine Stärke zu glauben, so sehr über Fehler, dass die nächsten passierten. Er verlor den letzten Satz mit 1:11. Die Enttäuschung war ihm ins Gesicht geschrieben. Er verabschiedete sich und wechselte sein T-Shirt. Frustriert schaute der 21-Jährige zu, wie Wang mit einem 3:1-Sieg über Yeh die Kohlen aus dem Feuer holte und der TSG Platz eins sicherte.
„Ich bin ein bisschen emotional, auch wenn ich jetzt nicht direkt weine. Es ist traurig für mich. Ich habe eine sehr lange Zeit hier gespielt“, erklärt er mit hängenden Schultern. Die TSG sei sein Herzensverein, der ihn schon in der Schul- und Jugendzeit unterstützt habe. „Er hat alles um mich herum ermöglicht.“ Die Entscheidung wegzugehen habe er letztlich aus privaten Gründen getroffen. Er brauche was Neues. „Ich habe die Saison vom Kopf her nicht mehr so gut gespielt.“ 2:8 lautet seine Saisonbilanz in der Dritten Liga. Den Verein in der Nähe von Heidelberg habe er sich ausgesucht, weil er da ein, zwei Spieler kenne. „Mit denen habe ich Kontakt aufgenommen. Die brauchen noch jemanden für die Rückrunde, weil die nicht ganz so gut dastehen in der Oberliga und nächstes Jahr angreifen wollen, um aufzusteigen.“
Die Suche nach Erklärungen
Woran es gelegen hat, dass es letztlich nicht mehr für ihn lief, kann er selbst nicht wirklich erklären. Mit 15, 16 war er „ein Jahr raus“, kämpfte mit einer Schulterverletzung. Aber das zählt für ihn nicht wirklich als Grund. „Irgendwann wurden andere Interessen geweckt. Ich hatte dann nicht mehr so den Fokus aufs Tischtennis, wie es die Leute haben, die es dann schaffen.“ Inzwischen studiere er dual, sei 40 Stunden die Woche am Arbeiten. Zeit für zweimal pro Tag Training bleibe da nicht mehr. „Ich bin auch in einem Alter, in dem ich mir Gedanken über die Zukunft mache. Da ist Tischtennis leider nicht die Sportart, in der du Millionen verdienst. Deshalb habe ich relativ früh entschieden, dass ich was Normales nebenbei brauchen werde.“
Dass er alles auf die Karte Tischtennis gesetzt hat, tut ihm „auf keinen Fall leid“. Die Zeit im Internat habe ihn sowohl im Tischtennis als auch privat sehr viel weitergebracht. „Die Selbstständigkeit, ich bin früh ausgezogen, musste früh erwachsen werden. Ich habe enorm viel profitiert.“ Für immer abgehakt ist das Thema für ihn nicht. „Tischtennis wird immer ein Teil meines Lebens sein. Ich hoffe, es wird bald wieder besser laufen. Ich werde weiterspielen, es macht mir Spaß. Und vielleicht führt es mich ja irgendwann wieder zurück.“


