Gleich zwei Talente hatten am Sonntag ihren ersten Auftritt im Buchenloch: der Japaner Yuki Suganuma für die TSG Kaiserslautern und elfjährige Willy Haas für den TTC Kist.
Torben Wosik war hoch motiviert und wollte es wissen. Hat er eine Chance gegen Evgueni Chtchetinine und wie lässt der sich knacken? Es könnte ein Duell auf Augenhöhe werden, bei der jede Menge Erfahrung aufeinander treffen. Der Weißrusse, der für den TTC Kist als Spitzenspieler an die Platte geht, ist drei Jahre älter als Wosik, der seit dieser Saison der TSG Kaiserslautern bei der Mission Aufstieg in die Zweite Tischtennis-Bundesliga hilft. Wosik kannte Chtchetinine von früher, hatte wie er EM-, WM- und Olympia-Erfahrung und im Laufe der Karriere reihenweise Medaillen gesammelt.
„Ich habe mir Videos angesehen, einen Plan zurechtgelegt und bin einen Tag früher angereist, um mich vorzubereiten“, erzählt Wosik, der in Böblingen eine Tischtennis-Akademie betreibt. Samstags war er losgefahren, hatte in Grünwettersbach Yuki Suganuma eingesammelt. Der Neuzugang sollte am Sonntag seinen ersten Einsatz für die TSG haben. „Er konnte studienbedingt leider nicht früher, hatte Prüfungen, als wir die bittere Niederlage gegen Effeltrich hatten“, erklärt Mannschaftsbetreuer Bijan Kalhorifar bedauernd. Er weiß, dass die Mission Aufstieg schwierig ist. „Wir müssen jetzt alle drei Spiele gewinnen“, sagt er.
Suganuma setzt Tipps von Wosik um
Wosik nimmt die Sache ernst. Er hatte trainiert und dann das: Evgueni Chtchetinine hatte sich am Tag zuvor im Spiel beim TV 06 Limbach verletzt. Und jetzt war statt des 55-jährigen Medaillensammlers ein elfjähriger Junge angereist. „Kann sein, dass ich jetzt gar nicht spiele“, erklärt Wosik, der anbot, dass an seiner Stelle andere Kollegen aus seinem Team Erfolgserlebnisse fürs Selbstvertrauen sammeln dürfen. Wosik spielte das Doppel mit TSG-Spitzenspieler Xi Wang, traf auf Felix Feulner und besagten elfjährigen Schüler, Willy Haas. Das TSG-Duo nahm sich zurück und gewann trotzdem souverän in drei Sätzen. Während sich das zweite Doppel schwertat. Yuki Suganuma unterlag bei seiner Premiere mit Luis Kraus, der früher beim TTC Kist gespielt hatte, Nico Longhino und Niclas Reindl in drei Sätzen. Xi Wang wies Reindl im Einzel in die Schranken.
Dann hatte Suganuma einen Tag vor seinem 26. Geburtstag eine schwere Aufgabe. Es war sein erstes Einzel für die TSG und er wollte es gewinnen. „Er war aufgeregt. Das wäre ich an seiner Stelle auch gewesen“, sagt Wosik, der sich auf der Herfahrt mit dem Japaner per Übersetzungs-App unterhalten und festgestellt hatte, dass er bestens über sein neues Team Bescheid wusste. Doch jetzt tat er sich schwer. Nach einem 11:6 im ersten, 11:13 und 9:11 in den beiden folgenden Sätzen stand es 11:10. Er nahm eine Auszeit. Wosik war sofort bei ihm, reichte ihm Handtuch und Wasserflasche und gab ihm ein paar Tipps. Er solle verzögern, im letzten Moment die Vorhand spielen, gab er ihm mit auf den Weg. Suganuma gewann den vierten Satz mit 12:10 und den fünften souverän mit 11:3.
Aufgeregt
Felix Köhler besiegte Felix Feulner und Xi Wang Nico Longhino souverän mit 3:0. Und dann war da noch das Duell zwischen Luis Kraus und Willy Haas. Das 19-jährige Talent der TSG gegen das elfjährige Wunderkind, das seinen ersten Einsatz in der Dritten Bundesliga hatte. „Es war aufregend“, sagt Willy Haas hinterher. Er hatte am Abend zuvor einen Anruf bekommen und erfahren, dass er spielen dürfe und sei dann mit seinen Teamkollegen hergefahren. Die Atmosphäre schüchterte ihn ein wenig ein, wie er zugibt, was man ihm aber nicht unbedingt anmerkte. Er wirkte konzentriert, und es schien ihm wenig auszumachen, dass er plötzlich Spielern gegenüberstand, die zum Teil fast viermal so alt wie er waren und doppelt so groß.
„Sie waren besser und professioneller, spielen sicherer“, gestand er am Ende ein. Er hatte sich bei der Partie gut im Griff, steckte auch gut weg, wenn mal was nicht klappte. „Warum soll man sich ärgern?“, fragte er stattdessen und genoss die Atmosphäre und dass ihn alle so gut aufnahmen und ihm applaudierten. Er freue sich auf seinen nächsten Einsatz, sagt er. Schließlich will er weiter an seinem Ziel arbeiten. „Ich will in die Erste Bundesliga und will zu den Top drei in Deutschland gehören“, verkündet er selbstbewusst.
Niederlage verkraftet
Dass er Luis Kraus klar unterlag, hatte er da gut verkraftet. Die TSG Kaiserslautern war froh über den 6:1-Sieg. Spitzenspieler Wang war froh, dass Suganuma jetzt da ist und mithilft, das große Saisonziel zu erreichen. Und Wosik konnte damit leben, dass er sich nicht mit dem Verteidigungsspieler messen konnte, gegen den er so gern gespielt hätte. Dafür hatte die TSG gewonnen und sein japanischer Mitfahrer und Felix Köhler Punkte fürs Selbstbewusstsein gesammelt.


